Ringkøbing Tageblatt
9-3-2005 Von der Tagesblad Ringkøbing
Das tragischkomische Kabarett des 20. Jahrhunderts
Über anderthalb Stunden nahm uns Søs Banke in Gestalt des Engels Babylon mit auf eine Tour durch die kleine und große Geschichte.
Kritik von Poul Osmundsen
Ringkøbing Dagblad vom 9.3.2005
Das tragischkomische Kabarett des 20. Jahrhunderts.
Ihre Stimme füllte die ganze Rathaushalle mit Flüstern, Brabbeln, Röcheln, Schreien und Gesang. Es war ein Erlebnis aus einer anderen Welt, Søs Banke in Gestalt des Engels Babylon zu treffen. Eine Art Kabarett, ja, mit Tönen von europäischen Kabarettbühnen der 1930er und 1940er Jahre, aber viel mehr als das. Faktisch eine schwindelerregende Tour de force mit dem Engel Babylon durch die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die kleine Geschichte, das Private: Liebe, Alltag, Wäsche, Sex und Versicherungsrechnungen. Und die ganz große: Krieg, Völkermord- kurz gesagt Babylon nach dem Turmfall. Das fantastische war, dass Søs Banke es geschafft hat die ganze bunte Geschichte in einen Zusammenhang zu bringen und dabei vollständig zeitlos zu wirken. Komik, Ironie und große Gefühle, die von der Wirklichkeit durchlöchert werden- aber auch Ernst. Søs Banke zog alle Register mit ihrem fabelartigen Engel, der langsam seinen göttlichen Überblick verliert, das Fliegenverlernt und sich in "einen von uns" verwandelt- einen sterblichen Menschen, der auf Gedieh und Verderb fest im Erdenleben steckt. Ihre Ausdrucksstärke, stimmmässig und in ihrer Gestik- malende und sprechende Handbewegungen mit Wurzeln im italienischen Theater- war unglaublich farbenreich. Dass die musikalische Begleitung, Torben Lassen an der Trompete, Bass, Gitarre und Mundharmonika, und ihr Mann Nikolai Seidelin am Klavier, Bass und Schlagzeug, spitzenmäßig und vollständig in Søs Bankes agieren auf der Bühne integriert war, machte das Erlebnis nur noch verblüffender. Die musikalischen Arrangements waren glänzend und schufen- trotz des collageartigen Charakters- eine nahtlose Ganzheit. Dies war nicht eine Sammlung von Kabarettliedern. Dies war etwas ganzes und Neues, das Kabarettlieder als Rohmaterial benutzte. Komik und Ernst auf hohem Niveau.